Chemnitz - im Wandel der
Zeiten
:: v.1.0 :: 01.10.03 |
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Der Stadtteil Altchemnitz entlang der
Annaberger Straße, begrenzt von der Altchemnitzer und der Reichenhainer
Straße sowie Pfarrhübel, Harthau und Fritz-Heckert-Gebiet gehört zu den
belebtesten Gebieten unserer Stadt. Noch immer sind hier eine große
Anzahl von Unternehmen genauso beheimatet, wie wichtige Einrichtungen
für die Versorgung der Menschen im südlichen Stadtgebiet.
Der genaue Zeitpunkt der Ortsentstehung von Altchemnitz kann aus
heutiger Sicht nicht mehr benannt werden. Bekannt ist, daß zu den ersten
Siedlern Wolfsjäger gehörten, die auch in Gebieten wie Mühlau, Altendorf
und Auerswalde an den Fuß des Erzgebirges gezogen waren, um hier neue
Jagdgründe zu erschließen. Es liegt die Vermutung nahe, dass sie die
eigentlichen Begründer des heutigen Stadtteils waren. Das zentrale
Wolfsjägerhaus befand sich im Bereich der jetzigen Wendeschleife der
Straßenbahnlinie 6 - damals wie heute der Kern von Altchemnitz.
Um das Jahr 1200 tauchte Altchemnitz als "Antiqua Kemnitz" erstmals im
Zinsregister des Chemnitzer Benediktinerklosters auf. Altchemnitz ist
damit, genau wie Kappel, eines der ältesten Siedlungsgebiete unserer
Stadt, noch älter als die eigentliche Stadt selbst, und es gehörte
vermutlich zum Stammbesitz des Klosters bei dessen Gründung.
Bis zum Ende des
12. Jahrhunderts entwickelte sich aus der kleinen
Ansiedlung am Zusammenfluss von Zwönitz und Würschnitz, dem Anfang der
Chemnitz, ein sogenanntes einreihiges Waldhufendorf. Die nachfolgende
Zeit in der Entwicklung des Dorfes ist nur ungenau beschrieben. Sicher
ist, dass es mehrere Male den Besitzer gewechselt haben muss, da das
Benediktinerkloster das Dorf im Jahr 1318 wiedererworben hat. Kleine
Orte, wie Altchemnitz, mussten Frondienste und Ablasszahlungen in nicht
geringem Umfang leisten und dienten so manchen weltlichen und
kirchlichen Herren als Geldquelle für ein überschwängliches Leben.
Aber die Bewohner von Altchemnitz hatten auch ihr Gutes von der nahen
Stadt, konnten sie sich doch in Kriegszeiten hinter die schützende
Stadtmauer zurückziehen. Als Klosterdorf galt für sie auch das Privileg
der Zollfreiheit. Natürlich hatte soviel "Großzügigkeit" auch ihren
Preis. Die Bauern mussten neben einer hohen Ablasszahlung auch bei der
Ausbesserung der Stadtmauern tüchtig mithelfen. Zudem unterstanden sie
dem Recht der Bannmeile und mussten so mangels eigener Produktion die
Erzeugnisse der Chemnitzer Handwerkerschaft kaufen. Im Dorf selbst gab
es nur Handwerker für die nötigsten Reparaturen.
1834 wurden alle Bauernhöfe von Altchemnitz, genau wie überall in Sachsen, gegen Zahlung einer Ablösegebühr von den Fron- und Feudallasten befreit. Im Jahr 1837 fielen auch die Frondienste gegenüber dem Chemnitzer Schloss und der Schlossmühle. Trotzdem eilte die Landwirtschaft der bereits schnell voranschreitenden industriellen Entwicklung hinterher. Denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Altchemnitz schon drei Spinnereien, einige Jahre später bereits 40 größere Manufakturen in den Branchen der Textil- und Eisenverarbeitung. Um die Jahrhundertwende bestimmten mächtige Großunternehmen das Bild, welche den Weltruf der Chemnitzer Industrieproduktion wesentlich mit prägten. Unter ihnen waren die Textilfabrik August Marschel & Co., der Strumpfmaschinenproduzent Schubert & Salzer, die Maschinenfabrik Oscar Schimmel oder das große Magarinewerk von Franz Nischer. Weiterhin zahlte der älteste Elektronikbetrieb Sachsens vom Unternehmer Hermann Pöge und die Strickmaschinenfabrik von David Richter zu den bedeutendsten Betrieben. Doch diese Aufzahlung wäre unvollständig, wenn nicht wenigstens die Betriebsnamen der Chemnitzer Aktienspinnerei, Germania und Pfauter erwähnt würden. Auch wurde in Altchemnitz das dritte Gaswerk der Stadt errichtet, um den hohen Energiebedarf der Unternehmen zu decken. Viele der genannten Betriebe entwickelten sich schnell und exportierten ihre Erzeugnisse in die ganze Welt. Einige unter ihnen wandelten sich zu Aktiengesellschaften mit enormen wirtschaftlichen Potential.
Mit dem Ende des 2. Weltkrieges und der anschließenden Demontage der Produktionseinrichtungen durch die Sieger endete die Ära der Industrieproduktion in Altchemnitz. Zu DDR-Zeiten gelang es nur bedingt, an die Bekanntheit der großen Marken anzuknüpfen - zumal sich auch der Name des Produktionsstandortes geändert hatte.
Text: Jens J. Schuster
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