Chemnitz - im Wandel der Zeiten :: v.2.0 :: 01.10.09  
 
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Städtische Einrichtungen

Die städtische Gasversorgung

 Quelle: Chemnitz in Wort und Bild, Festschrift zur Einweihung des Neuen Rathauses,
Verlag von Friese's Buchhandlung  "Bruno Troitzsch Nachfolger", 1911, Die
beiden städtischen Gasanstalten, S. 73/74

Gaswerk Chemnitz I Zwickauer Straße 83-85
Gaswerk Chemnitz II Wilhelmstraße 140
Gaswerk Chemnitz III Saydaer Str.10

 Gaswerk Chemnitz I Zwickauer Straße 83-85  
 
Gasanstalt an der Zwickauer Straße
Gasanstalt an der Zwickauer Straße 83-85, Gaserzeugung von 1854 bis 1913, 1906 3 Gasbehälter von zusammen 18.650 m³ Fassungsraum, nach 1913 noch Speicherstation

 

 

Im November des Jahres 1791 besaß Chemnitz 60 Stück Straßenlaternen, die mit Öl gespeist wurden, 1792 war diese Beleuchtungsart völlig durchgeführt, und jedes Haus hatte dafür einen Beitrag zu entrichten. Dieser nicht immer vorteilhafte Zustand dauerte lange:

Erst am 3.Juli 1853 erhielt der Spinnereibesitzer und Maschinenfabrikant Constantin Pfaff die Erlaubnis zur Errichtung einer Gasanstalt und zur Legung der nötigen Rohre auf die Dauer von 30 Jahren. Die Stadt verpflichtete sich dagegen, 400 Straßenlaternen einzurichten.  Pfaff baute nun, durch den Dresdener Kommissionsrat Jahn, in Verbindung mit dem Fabrikanten Robert Hösel die erste Gasanstalt für einen Bedarf von 6000 Flammen, die am 25. Mai 1854 in Betrieb genommen wurde.

Zehn Jahre später ging die Anlage für 350.000 Taler in den Besitz der "Allgemeinen Gasbeleuchtungs- und Gasheizungsgesellschaft" in Brüssel über, die 1874 eine zweite Gasanstalt in der Wilhelmstraße errichtete, nachdem schon 1857/58 sich größere Erweiterungsbauten nötig gemacht hatten.

1879 erkaufte die Stadt für 2.300.000 Mark beide Gasanstalten, wobei 1904 bereits 4.673 Gaslaternen in Betrieb waren.

An der Zwickauer Straße liegt die ältere Anstalt.  Das Grundstück misst ungefähr 10.000 m². Hier wurden nach und nach die Anlagen erweitert. 1911 gab es dort 2 Batterien mit 5 und 6 Cozeöfen, die eine Tagesleistung von je 2200 m³ Gas aufweisen, auch die Kohlenaufbereitungs-, Dampfkessel-, Gaswasch- und Reinigungsanlagen, sowie die Einrichtungen zur Verarbeitung der Nebenprodukte erfuhren beträchtliche Erweiterungen. Waren z.B. 1886 nur 2 Gasbehälter vorhanden, so gab es seit 1906 3, nämlich 2 größere freistehende und 1 kleineren ummauerten von zusammen 18.650 m³ Fassungsraum.

Die Tagesleistung dieser 1.Gasanstalt betrug 25.000 m³, die Jahresleistung über 4.000.000 m³.

 Gaswerk Chemnitz II Wilhelmstraße 140  
 
Gasanstalt an der Wilhelmstraße
Gasanstalt an der Wilhelmstraße 140 (heute Straße der Nationen), Gaserzeugung von 1874 bis 1928, danach noch Speicherstation, letzter Gasbehälter abgebaut 1969, heute Betriebsgelände Erdgas Südsachsen AG, schön sanierte alte Gaswerks-Industriebauten aus roten Klinkerziegeln

Die 2. Gasanstalt an der Wilhelmstraße umfasste bei der Inbetriebnahme 1874 ein Gelände von 18.000 m². 1910 misst es samt allen Nebenanlagen 34.560 m².  Hier standen ehemals 1 Batterie von 7 Halbgeneratorenöfen mit je 7 horizontalen Retorten und 1 Batterie von 6 Vollgeneratorenöfen mit je 8 horizontalen Retorten, so daß täglich 21.000 m³, jährlich 4.000.000 m³ Gas geleistet werden konnten.

Die große Steigerung des Gasbedarfs nötigte später zu der Errichtung einer 3. Ofenbatterie von 6 Vollgeneratorenöfen mit je 9 horizontalen Retorten, wodurch eine tägliche Leistungsfähigkeit von 50.000 m³, eine jährliche von 10.000.000 m³ Gas erreicht wurde. Die fortschreitende Verbesserung der Ofenanlagen ermöglichte dann 1898 die Erbauung geneigter Retorten und zwar in einer Batterie von 8 Öfen mit je 9 schrägen Retorten und 1903/04 einer zweiten gleich großen Anlage.

Betrug die Jahresleistung 1901 7.500.000 m³, so stieg sie 1910 auf 16.000.000 m³, so daß die gesamten Anlagen immer entsprechend vergrößert werden mußten.  1905 / 06 wurde so ein angrenzendes Grundstück erworben und hier ein vollständiges zweites Apparatesystem mit neuen Maschinen und Kesselanlagen für eine Tagesleistung von 50.000 m³ errichtet, gleichzeitig entstand neben den beiden überbauten Gasbehältern von je 14.000 m³ ein neuer freistehender von 30.000 m³ Fassungsvermögen, so daß diese 3 Gasometer 58.000 m³ halten konnten.

Gleichzeitig erfuhr die nicht mehr ausreichende Ofenanlage durch Errichtung einer Wassergasanlage mit Benzol-Karburation für 22.500 m³ Tagesleistung als Zusatzanstalt eine Unterstützung zur Bewältigung der Gaserzeugung.

1908 und 1910 ersetzte man die Öfen mit horizontalen Retorten durch 2 Vertikalofenbatterien mit zusammen 120 Retorten, so daß das Werk eine Tageshöchstleistung von 90.000 m³ Gas aufweisen kann. Besaß die Anstalt 1886 nur 1 Dampfmaschine von 4 PS., so arbeiten 1910: 31 Kraftmaschinen mit zusammen 290 PS. und 5 Kessel erzeugen den nötigen Dampf.

 Gaswerk Chemnitz III Saydaer Str.10  
 
Gaswerk Chemnitz III in der Saydaer Straße um 1938
Gas
werk Chemnitz III in der Saydaer Straße um 1938
Im Jahre 1913 erhielt Chemnitz ein drittes Gaswerk in der Saydaer Straße in Altchemnitz. Die Erzeugung von Stadtgas erstreckte sich von 1913 bis 1973. Danach diente das Gaswerk Chemnitz III noch als Speicherstation bis zirka 1990/91. Gasometer sowie Kühlturm wurden trotz bestehendem Denkmalschutzes 1998 abgerissen.

 

 

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 Stand: 2.0    24.01.10
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