Chemnitz - im Wandel der Zeiten :: v.2.0 :: 01.10.09  
 
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Freizeit und Erholung

Sportstätten

Bereits 1837 eröffnete der Chemnitzer "Turnvater" Ambrosius Weigand (1799 bis 1868) eine private "Turnanstalt". 1847 wurde der erste Chemnitzer Turnverein gegründet.

Ab dem Zeitraum 1860 entstanden in der Stadt, den Stadtteilen und Vororten etwa vierzig Turnvereine. Parallel zu den Vereinen des deutschen Turnens gründeten sich ab 1880 eine Vielzahl von Vereinen in Einzelsportarten, im Radsport, der Schwerathletik oder den verschiedenen Ballspielarten. Weitere Bevölkerungsgruppen wurden ab 1893 durch die Herausbildung des sozialdemokratisch beeinflussten Arbeitersports an die Sportbewegung herangeführt. Auch innerhalb dieser organisatorisch selbständigen Bewegung entstanden im Stadtgebiet eine Vielzahl von Vereinen.  

Bereits 1910 gab es im Stadtgebiet von Chemnitz über 100 Vereine mit etwa 30.000 Mitgliedern. In der Stadt existierten bekannte Sportstätten, wie die Radrennbahn Altendorf, wurden in Deutschland und der Welt begehrte Turn- und Sportgeräte (Firma "Dietrich & Hannak") hergestellt.

Chemnitzer Leistungssportler errangen zu dieser Zeit auch erste Erfolge auf nationalem und internationalem Parkett. 1911 bezeichnete sich Chemnitz erstmals selbst als "Sportstadt".
 
Nach dem I. Weltkrieg wurde vor allem die Infrastruktur des Sports verstärkt ausgebaut. Ende der 20er Jahre existierten im Chemnitzer Stadtgebiet bereits über 50 Sport- und Spielplätze. Ein Großteil der heutigen Sportstätten geht auf die gewaltigen Anstrengungen dieser Zeit zurück.

1928 nahm mit dem Radsportler Gerhard John vom "RC Diamant" erstmals ein Chemnitzer an einer Olympiade (Amsterdam) teil. In den 30er Jahren wurden zwei große Sportbauten, das Stadtbad (1935) und die "Großkampfbahn" (1938), heute Sportforum, eingeweiht. Der Radsportler Carl Lorenz holte 1936 erstmals Olympiagold nach Chemnitz.

 Radrennbahn Altendorf
 Großkampfbahn

 Die Radrennbahn Altendorf  
 
Die Radrennbahn Altendorf um 1914
Die Radrennbahn Altendorf um 1914

Start für ein Radrennen am 25.05.1920 "Ablauf zum Lillen Preis"

Start für ein Radrennen am 25.05.1920 "Ablauf zum Lillen Preis"

Luftbild der Radrennbahn vor 1930
Luftbild der Radrennbahn vor 1930

Im Jahre 1909 als moderner Sport-, Freizeit- und Erholungskomplex vom prominenten Chemnitzer  Architekten-Duo Zapp und Basarke errichtet, sah diese Chemnitzer Sporteinrichtung der Superlative in den Zwischenkriegsjahren bis zu 30.000 Teilnehmer anlässlich nationaler und internationaler Rad- und Motorsportwettbewerbe.

Der II. Weltkrieg erzwang 1940 die Schließung der Radrennbahn. Nach dem Krieg konnte die Anlage, die durch direkte Sprengbombeneinschläge, u.a. auf dem Oval der Rennbahn, schwer beschädigt wurde, nicht mehr an ihre frühere Leistungsfähigkeit und Bedeutung anknüpfen1.

Die Anlage wurde nur noch als Fußballplatz genutzt, die SG "Handwerk" hatte hier ihre Trainings- und Heimspielstätte. Die Reste der Betonbahn verwilderten mit den Jahren, man konnte jedoch noch die ein oder andere Betonfläche erahnen. Als Ersatz entstand nach dem Krieg die neue Radrennbahn im Sportforum.

1Jens Fiedler "Bomben auf Chemnitz" (Auszüge)

  Buchtip: Radrennfieber, Rolf Seyfarth, ISBN 978-3-935842-12-9, Claus Verlag 2009

 Großkampfbahn  
 
Festgelände im Juli 1930 während des Landesturnfestes
Festgelände Südkampfbahn im Juli 1930 während des Landesturnfestes

Blick auf die Südkampfbahn 1930
Blick auf die Südkampfbahn 1930

Die Großkampfbahn nach dem Umbau 1938
Die Großkampfbahn nach dem Umbau 1938

Tribüne
Tribüne

Tribünengaststätte
Tribünengaststätte

Blick auf Befehlsturm und Haupttribüne 1938
Blick auf Befehlsturm und Haupttribüne 1938

Der Befehlsturm - später friedlicher Marathontor genannt
Der Befehlsturm - vom Innenraum betrachtet, später "Marathon-Tor"

Befehlsturm-Außenansicht
Befehlsturm-Außenansicht


Eingang Reichenhainer Straße - außer den "Verzierungen" heute noch so erhalten

Der Spielbetrieb auf dem heutigen Gelände des Sportforums begann 1921 auf einer provisorischen Spielfläche. Erst 5 Jahre später wurden die ersten Sportanlagen (Fußball und Tennis) errichtet und am 11.07.1926 als Südkampfbahn eingeweiht. Vom 6.-13. Juli 1930 fand hier das 5. Sächsische Landesturnfest statt.

Die Südkampfbahn wurde ab 1933 ausgebaut. 1935 erfolgte die Einweihung und Umbenennung in Großkampfbahn. Am 18.09.1938 fand das Eröffnungsländerspiel zwischen Deutschland und Polen (4:1) vor 60000 Zuschauern statt, was noch immer der Zuschauerrekord ist.

Länderspiel 1938
Festkarte vom großen Fußball-Länderspiel Deutschland-Polen 1938

Im 2. Weltkrieg befand sich in der Großkampfbahn eine von insgesamt 5 Flakstellungen, die Chemnitz vor alliierten Bombern schützen sollte. Dieter Noll, der in Chemnitz geboren wurde und als Flakhelfer in dieser Flakstellung Dienst tat, verarbeit in seinem Roman "Die Abenteuer des Werner Holt" diese Erlebnisse. Regionalgeschichtlich Interessierte finden in diesem Buch viele Orte aus Chemnitz wieder.

Englische Aufklärer fotografierten dies am 8. und 10. April 1945. Zu erkennen die Flakstellung und die Bombentrichter.
Englische Aufklärer fotografierten dies am 8. und 10. April 1945. Zu erkennen die Flakstellung und die Bombentrichter

Nach dem Krieg 1948, den die Großkampfbahn unbeschadet überstand, wurde die Radrennbahn "aus den Trümmern der Stadt" gebaut. Sie ersetzte fortan die 1945 zerstörte Altendorfer Radrennbahn. 1950 wurde die Großkampfbahn in Sportforum "Ernst-Thälmann" umbenannt. Heute heißt der Komplex Sportforum.

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 Stand: 2.1    09.02.10
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