Stadtwappen von Chemnitz          Chemnitz - im Wandel der Zeiten :: v.2.0 :: 01.10.09  
 
links :: download :: impressum ::
 LINKWEG ::: inhalt / chemnitzer stadtteile und vororte / altchemnitz

Chemnitzer Stadtteile und Vororte

Altchemnitz

  Buchtip: Von den Wolfsjägern zum Hightech Standort - Eine Chemnitzer Stadtteilgeschichte zu Altchemnitz und dem Stadtpark, Herausgeber: Jörn Richter Chemnitz 2001, ISBN 3-910186-32-7, Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz

Eisenbahnbrücke über die Chemnitz, Im Hintergrund die Fabrik von Schubert&Salzer mit dem Glockenturm ca. 1935
Eisenbahnbrücke über die Chemnitz, Im Hintergrund die Fabrik von Schubert&Salzer mit dem Glockenturm ca. 1935

Die Hauptverwaltung der Autounion am der Scheffelstraße 1938
Die Hauptverwaltung der Autounion am der Scheffelstraße 1938

Ansichten aus dem Stadtpark
Ansichten aus dem Stadtpark

Die Michaeliskirche in Altchemnitz
Die Michaeliskirche in Altchemnitz

  Text: Jens J. Schuster mit freundlicher Genehmigung

Der Stadtteil Altchemnitz entlang der Annaberger Straße, begrenzt von der Altchemnitzer und der Reichenhainer Straße sowie Pfarrhübel, Harthau und Fritz-Heckert-Gebiet gehört zu den belebtesten Gebieten unserer Stadt. Noch immer sind hier eine große Anzahl von Unternehmen genauso beheimatet, wie wichtige Einrichtungen für die Versorgung der Menschen im südlichen Stadtgebiet.
Der genaue Zeitpunkt der Ortsentstehung von Altchemnitz kann aus heutiger Sicht nicht mehr benannt werden. Bekannt ist, daß zu den ersten Siedlern Wolfsjäger gehörten, die auch in Gebieten wie Mühlau, Altendorf und Auerswalde an den Fuß des Erzgebirges gezogen waren, um hier neue Jagdgründe zu erschließen. Es liegt die Vermutung nahe, dass sie die eigentlichen Begründer des heutigen Stadtteils waren. Das zentrale Wolfsjägerhaus befand sich im Bereich der jetzigen Wendeschleife der Straßenbahnlinie 6 - damals wie heute der Kern von Altchemnitz.
Um das Jahr 1200 tauchte Altchemnitz als "Antiqua Kemnitz" erstmals im Zinsregister des Chemnitzer Benediktinerklosters auf. Altchemnitz ist damit, genau wie Kappel, eines der ältesten Siedlungsgebiete unserer Stadt, noch älter als die eigentliche Stadt selbst, und es gehörte vermutlich zum Stammbesitz des Klosters bei dessen Gründung.

Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich aus der kleinen Ansiedlung am Zusammenfluss von Zwönitz und Würschnitz, dem Anfang der Chemnitz, ein so genanntes einreihiges Waldhufendorf. Die nachfolgende Zeit in der Entwicklung des Dorfes ist nur ungenau beschrieben. Sicher ist, dass es mehrere Male den Besitzer gewechselt haben muss, da das Benediktinerkloster das Dorf im Jahr 1318 wiedererworben hat. Kleine Orte, wie Altchemnitz, mussten Frondienste und Ablasszahlungen in nicht geringem Umfang leisten und dienten so manchen weltlichen und kirchlichen Herren als Geldquelle für ein überschwängliches Leben.
Aber die Bewohner von Altchemnitz hatten auch ihr Gutes von der nahen Stadt, konnten sie sich doch in Kriegszeiten hinter die schützende Stadtmauer zurückziehen. Als Klosterdorf galt für sie auch das Privileg der Zollfreiheit. Natürlich hatte soviel "Großzügigkeit" auch ihren Preis. Die Bauern mussten neben einer hohen Ablasszahlung auch bei der Ausbesserung der Stadtmauern tüchtig mithelfen. Zudem unterstanden sie dem Recht der Bannmeile und mussten so mangels eigener Produktion die Erzeugnisse der Chemnitzer Handwerkerschaft kaufen. Im Dorf selbst gab es nur Handwerker für die nötigsten Reparaturen.

1834 wurden alle Bauernhöfe von Altchemnitz, genau wie überall in Sachsen, gegen Zahlung einer Ablösegebühr von den Fron- und Feudallasten befreit. Im Jahr 1837 fielen auch die Frondienste gegenüber dem Chemnitzer Schloss und der Schlossmühle. Trotzdem eilte die Landwirtschaft der bereits schnell voranschreitenden industriellen Entwicklung hinterher. Denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Altchemnitz schon drei Spinnereien, einige Jahre später bereits 40 größere Manufakturen in den Branchen der Textil- und Eisenverarbeitung. Um die Jahrhundertwende bestimmten mächtige Großunternehmen das Bild, welche den Weltruf der Chemnitzer Industrieproduktion wesentlich mit prägten. Unter ihnen waren die Textilfabrik August Marschel & Co., der Strumpfmaschinenproduzent Schubert & Salzer, die Maschinenfabrik Oscar Schimmel oder das große Magarinewerk von Franz Nischer. Weiterhin zahlte der älteste Elektronikbetrieb Sachsens vom Unternehmer Hermann Pöge und die Strickmaschinenfabrik von David Richter zu den bedeutendsten Betrieben. Doch diese Aufzahlung wäre unvollständig, wenn nicht wenigstens die Betriebsnamen der Chemnitzer Aktienspinnerei, Germania und Pfauter erwähnt würden. Auch wurde in Altchemnitz das dritte Gaswerk der Stadt errichtet, um den hohen Energiebedarf der Unternehmen zu decken. Viele der genannten Betriebe entwickelten sich schnell und exportierten ihre Erzeugnisse in die ganze Welt. Einige unter ihnen wandelten sich zu Aktiengesellschaften mit enormen wirtschaftlichen Potential.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges und der anschließenden Demontage der Produktionseinrichtungen durch die Sieger endete die Ära der Industrieproduktion in Altchemnitz. Zu DDR-Zeiten gelang es nur bedingt, an die Bekanntheit der großen Marken anzuknüpfen - zumal sich auch der Name des Produktionsstandortes geändert hatte.

 

 LINKWEG :::  inhalt / chemnitzer stadtteile und vororte / altchemnitz
 Stand: 2.0     16.02.10
 © 2003-2010 Hellwig