Chemnitz - im Wandel der Zeiten :: v.2.0 :: 01.10.09  
 
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Architektur

Bauhaus in Chemnitz

 Henry van de Velde - Die Villa Esche
Der Lawn-Tennisclub

 Henry van de Velde - Die Villa Esche  
 

  Quelle: www.historisches-chemnitz.de mit freundlicher Genehmigung, Frank Harreck-Haase

Chemnitz hat einige architektonische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Eine herausragende Stellung von europäischem Rang darunter nimmt die Villa Esche ein. Der Bauhaus-Künstler Henry van de Velde (1863 - 1957) schuf mit ihr sein erstes Bauwerk in Deutschland, ein Meisterwerk der Moderne von internationalen Rang.

Auftraggeber war der Unternehmer Herbert Esche, Mitinhaber der Textilfirma Moritz Samuel Esche, die 1870 von Limbach nach Chemnitz kam.

Van de Velde hatte bereits Möbel für die Privatwohnung Esches in der Kastanienstraße 56, in der Esche mit seiner Frau bis 1903 wohnte, entworfen und bekam nun von Esche den Auftrag für die Villa an der Parkstraße, die er zum Gesamtkunstwerk formte. Dazu gehört neben der Außenansicht auch die Gartenanlage, die Möbel und die Einrichtungsgegenstände, sowie sogar Kleidung für die Bewohner.

Nachdem der damals 28jährige Fabrikant Esche van de Velde 1901 kennen gelernt hatte, wurden 1902 die Pläne zur Villa entworfen. Van de Velde wohnte damals in Weimar. Der van de Velde-Biograph Karl-Ernst Osthaus schrieb 1920: "Im hause Esche wird der Wandel, den die Orientreise hervorrief, schon fühlbar. Herr Esche hatte die Einsicht, den Künstler zuzuziehen, bevor er den Bauplatz erwarb. So konnte dieser seine Lage mitbestimmen, der für die Wirkung des Hauses ungemein günstig war. Es liegt hoch und außerhalb der Stadt verhältnismäßig isoliert. Terrassen heben es aus der Umgebung hervor. Auch hier ist die Wirkung von ernster Geschlossenheit. Das Innere ist weiträumig, die führenden Linien sind wesentlich beruhigt, die Formen vollkörperlicher. Diesen Fortschritt unterstreichen viele Möbel, die noch aus der Brüsseler Zeit stammen..."

Bemerkenswert ist, daß das Gebäude in seiner Form der Funktion folgt. So wurde das Haus von innen nach außen konzipiert, was zum Beispiel beim Kinderzimmer mit den erhöhten Fenstern deutlich wird. Form folgt Funktion.

1911 wurde das Gebäude nach van de Veldes Entwürfen erweitert.  

Nach dem Kriege wanderte Herbert Esche aus und verstarb 1962 in der Schweiz. Nach 1945 wurde die Villa zunächst als sowjetische Kommandantur benutzt, später durch die Staatssicherheit. Zu Zeiten der DDR wurde der Rang als Baudenkmal nicht erkannt und in die Nähe ein Garagenkomplex gebaut, der die Gesamtwirkung ungemein beeinträchtigt. Unter Denkmalschutz gestellt diente das Haus später in der DDR als Niederlassung der Handelskammer.

1998 wurde die leer stehende, sanierungsbedürftige, aber wertvolle Immobilie von der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts GmbH (GGG) erworben. Die Sanierung wurde aufgenommen und wurde im Jahre 2001 abgeschlossen.

 Der Lawn-Tennisclub  
 
Eingang mit Pergola
Eingang mit Pergola

Klubhaus (Vorderansicht)
Klubhaus (Vorderansicht)

Einsicht ins Klubhaus
Einsicht ins Klubhaus

Aufgang
Bar Raum mit Aufgang

Blick durch den Bar Raum ins Freie
Blick durch den Bar Raum ins Freie

Vorstandszimmer
Vorstandszimmer

Lesezimmer
Lesezimmer

Fritz Esche, der Bruder Herberts, ließ "Zeichnungen für ein Tennissporthaus" anfertigen. 1907 wurde der Bau in der Goethestraße 9 vollendet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Club nur geringfügig beschädigt. Fritz Esche verkaufte das Grundstück 1945 kurz vor der Währungsreform. Das war das Todesurteil für das Gebäude, denn im Zusammenhang mit der Projektierung von Neubauten wurde der Abriss beschlossen. Nur Teile der Inneneinrichtung sind erhalten geblieben.

Eine weitere Architekturleistung von Henry van de Velde in Chemnitz ist die Villa Körner für den Schwager Esches, Theodor Körner, an der Beyerstraße.  Die Beyer-Villa, brannte ebenfalls im Zweiten Weltkrieg aus. Nur im Erdgeschoß ist die ursprüngliche Bausubstanz zu erkennen.

Blick auf obere Plätze und Klubhaus an der Goethestraße um 1910
Blick auf obere Plätze und Klubhaus an der Goethestraße um 1910

Terrasse
Terrasse

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 Stand: 2.0     09.02.10
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