Stadtwappen von Chemnitz          Chemnitz - im Wandel der Zeiten :: v.1.0 :: 01.10.03  
 
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8. Architektur

Der Bautyp "Höhere Schule" in der Chemnitzer Architekturgeschichte

  Quelle: Dr. Jens Kassner aus seinem Beitrag für die Publikation "Aus 600 Jahren Chemnitzer Schulgeschichte", herausgegeben vom Schulförderungsverein des früheren Staatsgymnasium Chemnitz e.V. 1999

  Eine Unterscheidung der Schulen in der Stadt in allgemeine (Volks-) Schulen und solche mit höherem Status anhand der architektonischen Gestaltung, speziell des äußeren Erscheinungsbildes, ist bei näherer Betrachtung nur für die Zeit zwischen den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts und der Wende zum 20. Jahrhundert möglich. Das trifft nicht nur für Chemnitz zu, sondern ist in ganz Deutschland typisch. In Chemnitz fällt das Ende dieses Zeitabschnittes allerdings auch mit einem Personalwechsel zusammen. Das Stadtbauamt wurde im Jahre 1900 in zwei eigenständige Ämter getrennt. Stadtbaurat Eduard Hechler, seit 1880 in dieser Position, blieb bis zu seiner Pensionierung 1909 für Tiefbau und technische Betriebe der Kommune zuständig. Das neu geschaffene Hochbauamt ging an den aus Dresden kommenden Richard Möbius über, der die Funktion bis 1925 behielt.
Eigentlich beginnt der Bau höherer Schulen mit den Gymnasien an der Reitbahnstraße (städtisch) und an der Hohen Straße (staatlich). Zu erwähnen ist aber auf jeden Fall die Bürgerschule, entworfen von Johann Traugott Heinig, die 1829-31 erbaut wurde. Da es zu dieser Zeit noch keine allgemeine Schulpflicht gab, kann man sie eigentlich zu den höheren Schulen zählen, weil sie nur von Kindern besser gestellter Schichten besucht werden konnte. Die Bezeichnung drückt diesen gehobenen Status schon aus, der auch in der Gestaltung sichtbar wird. Zwar erscheint uns das Gebäude an der Theaterstraße, das 1945 zerstört wurde, anhand der überlieferten Abbildungen aus heutiger Sicht ziemlich schlicht. Es zählt aber zu den repräsentativsten und größten Bauwerken, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Stadt errichtet wurden.

Realgymnasium Reitbahnstraße
Das Städtische Realgymnasium an der Reitbahnstraße, 1869 eröffnet, hat der Dresdner Professor Heyn entworfen. Schon hier wird der Bautyp, der die Höheren Schulen in Chemnitz für drei Jahrzehnte kennzeichnen sollte, in allen Einzelheiten deutlich. Orientiert haben sich die Architekten an der so genannten "italienischen Renaissance". In der Praxis bedeutete dies eine freie Interpretation des Palazzo-Themas, angepasst an die Bedürfnisse der ganz anders gearteten Nutzung. Wiederkehrende Elemente sind dabei der etwas vorspringende Mittelrisalit mit dekorativem bauplastischen Schmuck und die mehr oder weniger ausgreifenden Seitenflügel. Beim Realgymnasium sind diese Flügel besonders lang ausgefallen, weshalb wohl Heyn auch die Gebäudeecken durch flache Risalite betont, was durchaus nicht allgemein üblich war.

Königliches Gymnasium
Das Königliche Gymnasium Hohe Straße wurde 1869-72 nach Plänen von Landbaumeister Hugo Nauck gebaut. Hier finden sich die schon genannten Gestaltungselemente wieder, das Bauwerk wirkt aber durch die geringere Länge und das Fehlen von Seitenrisaliten kompakter, was der repräsentativen Wirkung allerdings keinen Abbruch tut.
   
   
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 Stand: 1.0     29.06.05
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